Geschichte und Betriebseinsatz
Wie alles begann
Die Anfänge der Baureihe E50/150 reichen bis Anfang der 1950er Jahre zurück.
Viele der im 2. Weltkrieg beschädigten, elektrifizierten Strecken waren bereits
repariert und es standen etliche weitere zur Elektrifizierung an. Da der große
Bedarf an leistungsfähigen elektrischen Lokomotiven durch die
Vorkriegsbaureihen bei weitem nicht gedeckt werden konnte, arbeitete die noch
junge Deutsche Bundesbahn (DB) ein Typenprogramm zur Beschaffung von 4 Ellok-Typen
aus: Die Baureihe E10 (ab 1968: 110) für den schnellen Personenzugdienst, die
Baureihe E40 (140) für den leichten Güterzugdienst und die Baureihe E41 (141)
für den leichten Personenzugdienst. Für den schweren Güterzugdienst war die
Baureihe E50 (150) geplant.
Die neuen Lokomotiven sollten unter anderem in der Lage sein, einen 3000 t schweren Güterzug
auf einer Steigung von 1,5 Promille noch mit 75 km/h zu befördern. Die
Höchstgeschwindigkeit wurde auf 100 km/h festgelegt, da man höhere
Geschwindigkeiten im Güterverkehr erwartete.
Um verschiedene Komponenten und Bauarten vor einer endgültigen Bestellung der
neuen Einheitsellok-Baureihen ausführlich testen zu können, ließ die DB
Anfang der 1950er Jahre von
verschiedenen Herstellern fünf Loks der Baureihe E10.0 bauen.
Im Jahr 1954 bestellte die DB ihre ersten fünf Loks der Baureihe E50, welche im Jahr
1957 ausgeliefert wurden. 1968 brach bei der DB das Computer-Zeitalter an und
die Lokomotiven erhielten die neue Baureihenbezeichnung 150.
Bis zum Jahr 1973 wurden in verschieden großen Bauserien weitere 189 Loks der
Reihe E50 bestellt.
Betriebseinsatz
Die Lokomotiven wurden seit ihrer
Indienststellung fast ausschließlich im schweren
Güterzugdienst auf elektrifizierten Strecken im gesamten Bundesbahn-Netz eingesetzt,
nach der Wende konnten sie auch auf dem Netz der Deutschen Reichsbahn (DR) in
der ehem. DDR angetroffen werden.
Eine Besonderheit und daher ausführlicher zu erwähnen sind die Schubdienste an
der Geislinger Steige (Geislingen West - Amstetten), der Spessartrampe (Laufach
- Heigenbrücken) und im Frankenwald (Pressig-Rothenkirchen - Steinbach am Wald
bzw. Probstzella - Steinbach am Wald), bei denen sich die 150er jahrzehntelang
bestens bewährten.
Mehrere Versuche der DB, die kräftigen Elektrolokomotiven an den Rampen durch andere Baureihen
(z.B. BR 139 an der Geislinger Steige, BR 155 & 156 im Frankenwald) abzulösen,
scheiterten. Die Baureihe 139 erwies sich als zu schwach, bei der Baureihe 155
kam es im langsamen Schubdienst häufig zu Motorüberhitzungen, sodass man die
Einsätze bereits nach wenigen Monaten (Juni 2001 - Oktober 2001) wieder beendete. Die
Ablösung durch die Baureihe 156 im Frankenwald kam
nicht über die Planungsphase hinaus. Erst im Februar 2003 wurden die 150er an
zwei
Rampen durch die Baureihe 151 abgelöst, am 08.02.2003 in Laufach (letzte Loks: 150
071 und 103) und am 18.02. im Frankenwald (letzte Loks: 150 185
und 099). An der Geislinger Steige konnte man bis zum Ende im Dezember 2003 noch 150er antreffen,
zuletzt die ozeanblau/beige 150 079 und die orientrote 150 168. Nachdem am
Vormittag des 31.12.2003 zwei Loks der Baureihe 151 als Ablöse in Geislingen
eintrafen, fuhren 150 079 und 168 zusammen in ihr Heimatwerk Kornwestheim und
wurden umgehend abgestellt.
Das langsame Ende...
... wurde 1993 eingeleitet, als alle
Lokomotiven mit Tatzlagerantrieb ausgemustert werden sollten. Es traf jedoch
nicht alle Loks mit dieser Antriebsart (Ordnungsnummern 001 bis 025): einige,
die sich noch in besonders gutem Zustand befanden, erhielten den
Gummiringfederantrieb von in schlechtem Allgemeinzustand befindlichen Loks mit
höheren Ordnungsnummern. Es handelte sich um 150 001, 006, 014, 019, 021, 023,
024 und 025.
In größerem Maße abgelöst wurden die 150er erst durch die neue Baureihe 152,
die ab 1997 in Dienst gestellt wurde.
Nachdem Mitte 1999 in den 150ern größere Mengen Asbest "gefunden" wurden,
entschied man sich, mit sofortiger Wirkung die Hauptuntersuchungen einzustellen.
Anstelle der 150 wurden nun die Reichsbahn-Container der Baureihe 155
weiteruntersucht, die eigentlich schon zur Abstellung bis 2007 vorgesehen waren.
Letzte untersuchte Lok der Baureihe 150 war 150 166 (KOPLX
05.05.99, vr). Alle danach zur Untersuchung fälligen Loks wurden ausgemustert
und bei einem Eisenbahnfreunden bestens bekanntem Schrotthändler in Opladen verschrottet. Erhalten
sind bis jetzt lediglich
150 091 (sie gehört dem DB Museum und wartet - Wind und Wetter ausgesetzt -
unter freiem Himmel in Koblenz-Lützel auf bessere Tage) sowie die 150 186 im SEM
Heilbronn.
Die grüne 150 162, die fast 1 1/2 Jahre ausgemustert in Kornwestheim stand,
wurde im Januar 2004 nach Trier-Ehrang zur Verschrottung gefahren, nachdem sich
eine Erhaltung als Museumslok in einem bekannten Eisenbahnmuseum zerschlagen
hatte.
Aktuelle Situation
Railion Deutschland hat am 30./31.12.2003 alle verbliebenen Loks der
Baureihe 150 z-gestellt bzw. ausgemustert.
Damit ist die Baureihe 150 nach 47 Jahren Dienstzeit als erste der vier
Einheitsellok-Baureihen komplett aus dem Betriebsbestand ausgeschieden.